Dok. | GB 2006, 80 Min.
Tadesse Meskela vertritt als Repräsentant der Kaffeebauer-Kooperative Oromia rund 70.000 Farmer in seinem Heimatland Äthiopien, wo einer der besten Kaffeesorten angebaut wird, der „Sun Dried Harar“. Diese Sorte ist unter Kaffeefreunden auf der ganzen Welt beliebt. Regelmäßig erhält das „schwarze Gold“ bei Experten-Verkostungen höchste Punktzahlen. Doch auf den Kaffee-Auktionen in Addis Abeba, London oder New York sinken die Preise seit dreißig Jahren. Wertvolle Spitzensorten werden nicht verkauft, sondern eingelagert, weil die Gewinnmargen so niedrig sind, dass der Handel sich nicht lohnt. Ein Land wie Äthiopien - Afrikas größter Kaffeeproduzent, in dem 15 Millionen Menschen vom Kaffeeanbau leben, welcher 67 Prozent des gesamten Exports ausmacht - hat ständig zusätzliche Ertragseinbußen zu beklagen.
In New York dagegen, wo Großhersteller wie Kraft, Nestlé, Procter & Gamble und Sara Lee die Preise diktieren, ist der Gewinn mit Kaffee seit 1990 von dreißig auf achtzig Milliarden US-Dollar gestiegen. Von den 230 Dollar, die aus einem Kilo Kaffeebohnen (rund achtzig Tassen) im Westen erzielt werden, erhalten die afrikanischen Anbauer gerade einmal zwischen 23 und 50 Cent. Deshalb fordern afrikanische Gewerkschaften seit langem, die Preise anzuheben und die Handelsketten zu verkürzen. Normalerweise besteht eine solche Kette aus sechs Gliedern - Farmer, Auktion, Hersteller, Röster, Einzelhandel und Konsument. Alle wollen mitverdienen.
Unermüdlich reist Tadesse Meskela auf internationale Messen und Handelsbörsen, wo er sich bemüht, direkt in Kontakt mit Röstern wie Dallmayr und Starbucks zu treten. Wenn allein die Kaffee-Auktionen umgangen werden, wo die Preise bestimmt werden, und der Kaffee nicht an Großabnehmer verkauft werden muss, entfallen bereits zwei Glieder der Kette. Dementsprechend höher fällt der Verdienst in den Herstellerländern aus. Fair gehandelter Kaffee und Marktnischen wie organischer Kaffee, wie sie von Tadesse Meskela und die Oroma-Gewerkschaft angeboten werden, hängen jedoch von der Gunst der Konsumenten ab, von deren Kaufentscheidung.
Der Dokumentarfilm „Schwarzes Gold“ spannt einen weiten Bogen, von den Chat-kauenden Bauern im Süden Äthiopiens, die größte Schwierigkeiten haben, ihre Familien zu ernähren und ihren Kindern die Schule zu ermöglichen, bis zur „World Barista Championship“ in Seattle, wo die besten Kaffeebrüher zum Wettstreit antreten. Die Kluft zwischen der glitzernden Welt auf Hochglanz polierter Espresso-Maschinen, der sektengleichen Arbeitsorganisation in Caféhaus-Ketten wie Starbucks und der elitären Auslese beim italienischen Espresso-Hersteller Illy auf der einen Seite sowie der mühsamen Arbeit auf afrikanischen Kaffeeplantagen auf der anderen Seite könnte kaum größer sein.
Seit langem fordern Vertreter afrikanischer Länder, dass die Industrieländer statt Entwicklungshilfe zu leisten, auf ihre Binnensubventionierung verzichten sollen. Durch die Subventionierung von Lebensmitteln im Westen werden die Preise künstlich niedrig gehalten, so dass die Produkte konkurrenzlos günstig angeboten werden können. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat es bislang verstanden, an diesem System festzuhalten, das allerdings den freien Markt behindert. Afrikas Anteil am Welthandel ist in den letzten zwanzig Jahren auf ein Prozent zurückgefallen. Würde sich der Anteil nur um ein Prozent erhöhen, entspräche dies einem Zuwachs von siebzig Milliarden Dollar – fünf Mal soviel wie die augenblicklich geleistete Entwicklungshilfe.
„Schwarzes Gold“ lief im Rahmen des durch EYZ Media organisierten Festivals „ueber Arbeiten“ im Rahmen der „Gesellschafter“-Initiative der Aktion Mensch.
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