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tagebuch "borderline-borderland"

EYZ kuratierte für
tagebuch "borderline-borderland"'
die Filmreihe. Hier der abschließende Bericht von
Karl Hermann Haack,
Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

"Berlin, im Mai 2005

Die Eröffnung der Ausstellung tagebuch "borderline-borderland" und die ersten zwei Film- bzw. Ausstellungstage waren ein voller Erfolg. Allein zur Ausstellungseröffnung am 14. April 2005 kamen über 350 Gäste aus Deutschland und der Schweiz. Die Resonanz hat mich darin bestätigt, dass kulturelles Engagement zu Recht seit über fünf Jahren zu einem festen Bestandteil meiner politischen Tätigkeit geworden ist.
In ihrer Begrüßung wies Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt darauf hin, dass gerade die Gruppe der Borderline-Betroffenen mehr Toleranz und Akzeptanz be­nötigt, um in ihrem unmittelbaren Umfeld – dazu zählen nicht nur Familie und Beruf - als Erkrankte mit besonderen Schwierigkeiten wahrgenommen zu werden.
In dem sich daran anschließenden Dialog zum Thema "Was ist Borderline?" wurden durch den Arzt und Psychotherapeuten Dr. Ewald Rahn fachliche Hinweise zur Borderline Persönlichkeitsstörung gegeben. Besonders hervorzuheben ist die authentische Darstellung von Christiane Tilly , die selbst Borderline-Betroffene ist. Frau Tilly führt seit einiger Zeit Weiterbildung für Ärzte und Psychotherapeuten durch, die als Fortbildungsveranstaltungen anerkannt sind.
Dies ist für mich das beste Beispiel dafür, dass Betroffene ihre Situation selbst in die Hand nehmen und ihre Anliegen kompetent vertreten können. Ich habe deshalb beschlossen am 7. Juli  2005 eine Informations- und Fortbildungsveranstaltung unter der Leitung von Frau Tilly und ihrer Kollegin Anja in Berlin durchzuführen.
Besonderen Anklang fanden die musikalischen "Störungen" des Bassisten Klaus Janek, der es geschafft hat, zu den verschiedenen Merkmalen und Symp­tomen von Borderline eigene musikalische Entsprechungen zu finden.

Filmreihe

Acht Filme zogen an zwei Tagen zogen rund 1150 Gäste an. Die Inhalte berührten viele Zuschauerinnen und Zuschauer, so dass es im Anschluss zu engagierten Diskussionen kam. Schwerpunkte der Gespräche waren die psychiatrische Versorgung und der Umgang zwischen Angehörigen und Betroffenen.
Bei dem Film Janine F. hatte ich persönlich die Gelegenheit die Gäste zu begrüßen und gewann einen Eindruck von der intensiven Atmosphäre. Die Diskussion mit der Regisseurin Teresa Renn verdeutlichte die Notwendigkeit Signale von Betroffenen ernst zunehmen und Botschaften richtig zu interpretieren.
Dies galt auch für Sellins Tod und das anschließende Gespräch mit dem Regisseur Paul Riniker und dem Vater von Sellin. Im Vordergrund stand der Wunsch, gerade jungen Menschen Mut zu machen zukünftig sensibler auf Äußerungen und Verhalten von Freunden zu achten. Hier, wie auch bei den anderen Filmen, unterstützten Mitarbeiter des Berliner Krisendienstes und der Borderline-Station der Berliner Charité die Diskussionen durch ihre fachlichen Erfahrungen .
Der Film Das weiße Rauschen war der Zuschauermagnet, dies gilt auch
für spannende Diskussion im Anschluss, die es wirklich in sich hatte. Hilfreich war hier, dass Betroffene und Praktiker aus Kliniken und ambulanten Beratungsstellen Auskunft über die heutige Betreuungssituation geben konnten, so dass ein realistisches Bild entstand.
Diese Diskussion erhielt ihre Authentizität vor allem dadurch, dass die Borderline-Be­troffene Tina Parlow von der Borderline-Plattform offen über ihre Borderline-Erkrankung sprach. Hervorzuheben ist die Kompetenz, die Klarheit und die Differenziertheit, mit der Frau Parlow ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit darstellte.
Ein Besucher brachte es auf den Punkt: "Ich bewundere es, dass Sie hier so offen über Ihre Krankheit reden und uns verständlich machen, was Borderline für Sie ist."
Als Behindertenbeauftragter kann ich mich dem gern anschließen.
In der Behindertenpolitik geht es um eine selbstbestimmte Teilhabe von Betroffenen als Expertinnen und Experten in eigener Sache. Diese vorhandene Kompetenz hat die Politik aufzunehmen und Hilfestellung bei deren Umsetzung anzubieten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Karl Hermann Haack
Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen"